In den ersten 90 Tagen auf LinkedIn geht es für Geschäftsführer um drei Dinge in dieser Reihenfolge: ein Profil, das in wenigen Sekunden zeigt, wofür Sie stehen, ein Netzwerk aus den richtigen Menschen und ein fester Rhythmus aus Kommentaren und einem eigenen Beitrag pro Woche. Rechnen Sie in dieser Zeit nicht mit vielen Anfragen. Was Sie realistisch erreichen können, sind erste Gespräche, ein wachsendes Netzwerk aus Kunden, Partnern und Bewerbern und eine Gewohnheit, die Sie danach weiterführen können.
Viele Geschäftsführer im Mittelstand haben ein LinkedIn-Profil, das seit Jahren unverändert ist. Manche posten gelegentlich, meist dann, wenn der Betrieb ein Jubiläum feiert oder eine Stelle besetzen will. Das ist verständlich, bringt aber wenig. Der folgende Plan ist für Inhaber gedacht, die es einmal richtig versuchen wollen, ohne dafür jeden Tag eine Stunde zu investieren.
Warum LinkedIn für Geschäftsführer im Mittelstand interessant ist
LinkedIn ist kein Kanal für jeden Betrieb. Ein Friseursalon oder eine Physiotherapie-Praxis mit Privatpatienten findet ihre Kunden eher über das Google-Profil. Für B2B-Dienstleister, Handwerksbetriebe mit gewerblichen Auftraggebern, Kanzleien mit Unternehmensmandaten und Beratungen sieht das anders aus. Dort sind die Menschen, die über Aufträge entscheiden, häufig auf LinkedIn unterwegs.
Dazu kommen zwei weitere Gründe. Erstens das Thema Personal: Fachkräfte und Führungskräfte schauen sich an, wer einen Betrieb führt, bevor sie sich bewerben. Zweitens das Vertrauen: Wer über Monate sieht, wie ein Geschäftsführer denkt und arbeitet, ruft mit einer anderen Haltung an als jemand, der nur eine Website kennt.
Nach unserer Erfahrung wirkt dabei das persönliche Profil deutlich stärker als die Unternehmensseite. Menschen folgen Menschen. Die Unternehmensseite ist sinnvoll, aber sie ersetzt nicht Ihre eigene Stimme.
Vor dem Start: drei Fragen klären
Bevor Sie am Profil arbeiten, nehmen Sie sich eine halbe Stunde für drei Fragen:
- Wen wollen Sie erreichen? Einkäufer in der Industrie, Hausverwaltungen, Geschäftsführer kleiner Unternehmen, Fachkräfte für Ihr Team? Je genauer, desto leichter fallen alle weiteren Entscheidungen.
- Wofür wollen Sie bekannt sein? Ein bis zwei Themen, zu denen Sie etwas zu sagen haben. Zum Beispiel: Gebäudetechnik in Bestandsimmobilien, Nachfolge in Familienunternehmen, Arbeitssicherheit auf Baustellen.
- Wie viel Zeit haben Sie wirklich? Planen Sie mit der Zeit, die Sie auch in einer vollen Woche haben, nicht mit der in einer ruhigen.
Die Antworten müssen nicht perfekt sein. Sie werden sie nach 90 Tagen ohnehin schärfen.
Tag 1 bis 14: Das Profil in Ordnung bringen
Ihr Profil ist die Seite, auf der jeder landet, der auf einen Ihrer Kommentare oder Beiträge klickt. Es sollte in wenigen Sekunden klar machen, wer Sie sind und für wen Sie arbeiten.
| Bereich | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Foto | Aktuell, gut ausgeleuchtet, Gesicht gut erkennbar, kein Urlaubsbild |
| Titelzeile | Was Sie tun und für wen, nicht nur „Geschäftsführer bei …“ |
| Hintergrundbild | Ein Bild aus Ihrem Betrieb oder eine schlichte Fläche mit Ihrem Kernthema |
| Info-Bereich | In ganzen Sätzen: wofür Sie stehen, wem Sie helfen, wie man Sie erreicht |
| Berufserfahrung | Die aktuelle Position mit einer kurzen Beschreibung des Betriebs |
| Im Fokus | Ein Link auf Ihre Website, einen Artikel oder eine Ressource |
Ein Beispiel für eine Titelzeile, die mehr sagt als die Funktion: „Geschäftsführer eines Elektrobetriebs in Mannheim · Gebäudetechnik für Hausverwaltungen und Gewerbe“. Wer das liest, weiß sofort, ob er richtig ist.
Eine ausführliche Anleitung für jeden Bereich finden Sie im Leitfaden LinkedIn für Einsteiger unter den Geschäftsführern.
Ein Hinweis zum Datenschutz und zur Außenwirkung: Überlegen Sie, welche Kontaktdaten Sie im Profil sichtbar machen. Eine geschäftliche Mailadresse und die Website reichen. Und stimmen Sie sich kurz mit Ihrem Team ab, bevor Sie Mitarbeitende auf Fotos zeigen oder in Beiträgen erwähnen. Das ist eine Frage des Respekts und in vielen Fällen auch eine rechtliche.
Tag 15 bis 42: Zuhören, kommentieren, vernetzen
Die meisten Einsteiger beginnen direkt mit eigenen Beiträgen und wundern sich, warum niemand reagiert. Der Grund ist einfach: Es kennt Sie noch niemand. Nutzen Sie die ersten Wochen deshalb, um ein Netzwerk aufzubauen und sichtbar zu werden, ohne selbst zu posten.
Vernetzen Sie sich gezielt. Beginnen Sie mit Menschen, die Sie kennen: Kunden, Partner, Lieferanten, ehemalige Kollegen, Kontakte aus der IHK oder Handwerkskammer. Danach erweitern Sie auf Menschen aus Ihrer Zielgruppe. Schreiben Sie bei Anfragen an Unbekannte einen kurzen, persönlichen Satz dazu, warum Sie sich vernetzen möchten.
Kommentieren Sie mit Substanz. Suchen Sie sich zehn bis zwanzig Menschen aus Ihrer Zielgruppe oder Branche, die regelmäßig posten, und kommentieren Sie deren Beiträge. Nicht mit „Toller Beitrag!“, sondern mit einer eigenen Erfahrung, einer Ergänzung oder einer ehrlichen Frage. Ein guter Kommentar ist ein kleiner Beitrag.
Hören Sie zu. Achten Sie darauf, welche Themen Ihre Zielgruppe beschäftigt, welche Fragen gestellt werden und welche Beiträge Gespräche auslösen. Notieren Sie sich Ideen für eigene Beiträge.
Eine sinnvolle Zeitplanung: dreimal pro Woche fünfzehn Minuten. Das reicht, wenn Sie es beständig tun.
Tag 43 bis 90: Der erste eigene Beitrag pro Woche
Ab der siebten Woche veröffentlichen Sie einen eigenen Beitrag pro Woche. Mehr ist am Anfang nicht nötig. Wichtiger als die Menge ist, dass Sie es durchhalten.
Gute Beiträge für Geschäftsführer im Mittelstand kommen fast immer aus dem eigenen Alltag. Einige Formate, die sich bewährt haben:
- Eine Frage aus einem Kundengespräch und Ihre Antwort darauf. Beispiel für einen Steuerberater: „Ein Mandant hat mich diese Woche gefragt, ob sich eine GmbH für ihn lohnt. Meine ehrliche Antwort war: kommt darauf an. Hier sind die drei Punkte, auf die es ankommt.“
- Ein Blick hinter die Kulissen, etwa wie Ihr Team eine schwierige Baustelle gelöst hat.
- Eine klare Meinung zu einem Branchenthema, sachlich begründet.
- Ein Fehler und was Sie daraus gelernt haben. Solche Beiträge wirken oft glaubwürdiger als Erfolgsmeldungen.
- Eine Beobachtung aus dem Markt, zum Beispiel was sich bei Ausschreibungen oder bei der Suche nach Fachkräften verändert.
Weitere Formate mit Beispielen finden Sie in 7 LinkedIn-Formate für Geschäftsführer. Und wenn Ihnen die Themen ausgehen, hilft der Artikel Content-Strategie für Betriebe, die wenig Zeit haben.
Schreiben Sie so, wie Sie sprechen. Ein Beitrag, der klingt wie eine Pressemitteilung, wird überscrollt. Und wenn Sie KI-Werkzeuge zum Formulieren nutzen, lesen Sie den Text anschließend laut vor. Wenn er nicht nach Ihnen klingt, schreiben Sie ihn um.
Was Sie nach 90 Tagen auswerten sollten
Likes und Reichweite sind die Zahlen, die LinkedIn am deutlichsten anzeigt. Für Ihren Betrieb sind sie zweitrangig. Wichtiger sind diese Fragen:
- Hat sich jemand aus Ihrer Zielgruppe mit Ihnen vernetzt oder Ihnen geschrieben?
- Wurden Sie in einem Gespräch auf einen Beitrag angesprochen?
- Gab es eine Anfrage, eine Empfehlung oder eine Bewerbung, die über LinkedIn kam?
- Welche Beiträge haben Gespräche ausgelöst, nicht nur Reaktionen?
- Fällt Ihnen das Schreiben leichter als am Anfang?
Wenn Sie mindestens zwei dieser Fragen mit Ja beantworten, sind Sie auf einem guten Weg. Wenn nicht, prüfen Sie, ob Sie die richtigen Menschen erreichen und ob Ihre Themen zu deren Fragen passen. Planen Sie realistisch damit, dass LinkedIn eher über Monate und Jahre wirkt als über Wochen. Wie Sie Sichtbarkeit aufbauen, wenn Ihnen heute noch kaum jemand folgt, beschreiben wir in Sichtbarkeit aufbauen, auch wenn Ihnen heute niemand folgt.
Häufige Fehler in den ersten Monaten
- Nur über die Unternehmensseite posten. Die Seite erreicht meist weniger Menschen als Ihr persönliches Profil.
- Werbung statt Inhalt. Wer nur Angebote und Stellenanzeigen teilt, wird schnell ignoriert.
- Fremde Stimme. Texte von einer Agentur oder einer KI, die Sie nicht selbst überarbeitet haben, erkennen aufmerksame Leser.
- Zu früh aufgeben. Die ersten Wochen sind fast immer ruhig. Das ist kein Zeichen, dass es nicht funktioniert.
- Reaktionen ignorieren. Wer auf Kommentare unter den eigenen Beiträgen nicht antwortet, verschenkt die eigentlichen Gespräche.
Auf LinkedIn gewinnt selten der lauteste Geschäftsführer. Es gewinnt der, der über Monate erkennbar bleibt.
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