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Content-Strategie für Betriebe, die wenig Zeit haben

Eine Content-Strategie muss nicht groß sein. Sie muss in Ihre vollste Woche passen und einen klaren Weg zur Anfrage haben.

Joshua Stark 05. März 20267 Min. Lesezeit

Eine Content-Strategie für einen Betrieb mit wenig Zeit besteht aus drei Entscheidungen: für wen Sie schreiben, in welchem Rhythmus Sie veröffentlichen und wie aus einem Beitrag eine Anfrage werden kann. Mehr braucht es am Anfang nicht. Entscheidend ist ein Plan, den Sie auch in einer Woche mit Krankheitsausfall und Angebotsstau durchhalten, statt eines ehrgeizigen Redaktionsplans, der im zweiten Monat liegen bleibt.

Warum die meisten Content-Pläne nach wenigen Wochen einschlafen

Wenn wir mit Inhabern über Inhalte sprechen, hören wir oft dieselbe Geschichte. Im Januar entsteht ein Plan mit drei Beiträgen pro Woche, einem Blog, einem Newsletter und am besten noch Videos. Nach sechs Wochen ist davon ein unregelmäßiger LinkedIn-Beitrag übrig. Das liegt selten an fehlender Disziplin. Der Plan war für einen Betrieb mit Marketingabteilung gebaut, nicht für einen Betrieb, in dem der Inhaber zugleich Vertrieb, Kalkulation und Personalführung verantwortet.

Typische Gründe, warum Inhalte einschlafen:

  • Der Rhythmus orientiert sich an der besten Woche, nicht an der schlechtesten.
  • Jeder Beitrag beginnt bei null, weil es keine Themenliste gibt.
  • Niemand außer dem Inhaber kann einen Beitrag fertigstellen.
  • Es ist unklar, wofür die Inhalte gut sein sollen, also fehlt nach einigen Wochen die Motivation.

Eine gute Strategie nimmt diese vier Punkte vorweg. Sie ist bewusst klein, damit sie laufen kann.

Schritt 1: Klären, für wen und wofür Sie schreiben

Bevor Sie über Kanäle nachdenken, beantworten Sie zwei Fragen schriftlich. Erstens: Wer soll Ihre Inhalte lesen? Nicht „alle, die ein Bad brauchen“, sondern zum Beispiel „Eigentümer von Einfamilienhäusern aus den 70er- und 80er-Jahren im Raum Heidelberg, die eine barrierearme Badsanierung überlegen“. Zweitens: Was soll danach passieren? Eine Anfrage, ein Anruf, eine Anmeldung zum Newsletter, eine Bewerbung?

Diese Klärung verändert jeden einzelnen Beitrag. Eine Steuerkanzlei, die vor allem Handwerksbetriebe mit fünf bis zwanzig Mitarbeitenden betreut, schreibt andere Texte als eine Kanzlei, die Privatpersonen bei der Einkommensteuer hilft. Wer das nicht festlegt, schreibt am Ende für niemanden besonders gut.

Eine Content-Strategie ist zuerst eine Entscheidung darüber, mit wem Sie nicht reden.

Halten Sie das Ergebnis in zwei, drei Sätzen fest und legen Sie es neben jeden Entwurf. Wenn ein Thema nicht zu dieser Beschreibung passt, lassen Sie es weg, auch wenn es gerade viel diskutiert wird.

Schritt 2: Die Fragen Ihrer Kunden als Themenquelle nutzen

Die beste Themenquelle liegt in Ihrem Betrieb. Jede Frage, die ein Kunde am Telefon, im Erstgespräch oder auf der Baustelle stellt, ist ein möglicher Beitrag. Diese Fragen haben einen Vorteil: Sie wissen, dass sie echte Menschen beschäftigen, und Sie kennen die Antwort bereits.

So bauen Sie in vier Wochen eine Themenliste, ohne sich eigens hinzusetzen:

  1. Legen Sie eine gemeinsame Notiz oder ein einfaches Formular an, auf das das ganze Team Zugriff hat.
  2. Bitten Sie alle, die Kundenkontakt haben, jede wiederkehrende Frage dort einzutragen. Ein Stichwort reicht.
  3. Ergänzen Sie Einwände aus Angebotsgesprächen, etwa „Warum ist das so teuer?“ oder „Warum dauert das so lange?“.
  4. Markieren Sie nach vier Wochen die Fragen, die am häufigsten kamen oder am nächsten an einer Kaufentscheidung liegen.

Eine Physiotherapie-Praxis bekommt so vielleicht Fragen wie „Brauche ich ein Rezept?“, „Was kann ich zwischen den Terminen selbst tun?“ oder „Wie lange dauert es, bis es besser wird?“. Ein IT-Dienstleister für Kanzleien hört eher „Dürfen wir Mandantendaten in die Cloud legen?“ oder „Was passiert, wenn der Server ausfällt?“. Beides sind hervorragende Themen, weil sie konkret sind und Vertrauen aufbauen.

Wer eine feste Struktur für diese Sammlung möchte, findet in der Themen-Maschine eine Vorlage dafür.

Schritt 3: Einen Rhythmus wählen, der in die schlechteste Woche passt

Regelmäßigkeit ist wichtiger als Menge. Ein fundierter Beitrag alle zwei Wochen, der wirklich erscheint, bringt mehr als ein ambitionierter Wochenplan, der dreimal ausfällt. Leser und Suchmaschinen gewöhnen sich an einen verlässlichen Takt, und Ihr Team gewöhnt sich an den Ablauf.

Gehen Sie deshalb von Ihrer vollsten Woche aus. Wie viel Zeit hätten Sie dort für Inhalte? Für viele Inhaber sind das realistisch ein bis zwei Stunden. Daraus leiten Sie den Rhythmus ab, nicht umgekehrt.

Verfügbare Zeit pro WocheRealistischer Rhythmus
etwa 1 Stundeein Kernbeitrag im Monat, dazu zwei kurze Ableger
etwa 2 Stundenein Kernbeitrag alle zwei Wochen, dazu kurze Ableger
etwa 4 Stunden, mit Unterstützungein Kernbeitrag pro Woche, dazu Newsletter

Die Tabelle ist eine Orientierung, keine Regel. Wichtig ist, dass Sie den Rhythmus einmal festlegen und drei Monate nicht daran rütteln. Ein fester Termin im Kalender hilft, zum Beispiel jeden zweiten Donnerstag von 7:30 bis 9:00 Uhr, bevor das Telefon klingelt.

Schritt 4: Ein Kernformat, mehrere Ableger

Wenig Zeit bedeutet nicht wenig Inhalt, wenn Sie klug wiederverwenden. Wählen Sie ein Kernformat, in dem Sie ein Thema gründlich behandeln. Das kann ein Blogartikel auf Ihrer Website sein, ein Video von zehn Minuten oder ein aufgezeichnetes Gespräch, in dem jemand aus dem Team Ihnen Fragen stellt.

Aus diesem Kern entstehen danach kleinere Stücke:

  • ein kurzer LinkedIn-Beitrag mit dem wichtigsten Gedanken
  • ein Beitrag im Google-Unternehmensprofil mit Hinweis auf den Artikel
  • ein Absatz für den nächsten Newsletter
  • eine neue Antwort in den häufigen Fragen auf Ihrer Website
  • eine Vorlage für Ihr Team, um die Frage künftig am Telefon zu beantworten

Der letzte Punkt wird oft übersehen. Inhalte helfen nicht nur nach außen. Wenn Ihr Büro die Antwort auf „Warum dauert eine Badsanierung sechs Wochen?“ sauber formuliert hat, profitieren auch Telefonate und Angebotsgespräche davon.

Wie Sie dieses Prinzip im Alltag organisieren, beschreibt der Artikel Gute Inhalte ohne Marketingabteilung ausführlicher.

Schritt 5: Den Weg zur Anfrage einbauen

Viele Inhalte informieren gut und enden dann im Nichts. Jeder Beitrag sollte deshalb einen passenden nächsten Schritt anbieten. Der muss nicht immer „Jetzt anfragen“ heißen. Wer gerade erst anfängt, sich mit einer Badsanierung zu beschäftigen, ist vielleicht noch nicht bereit für einen Vor-Ort-Termin, aber offen für eine Checkliste „Was Sie vor der Badsanierung klären sollten“.

Ordnen Sie jedem Thema grob eine Phase zu:

  • Orientierung: Der Leser versteht sein Problem gerade erst. Passender Schritt: weiterführender Artikel, Checkliste, Newsletter.
  • Vergleich: Der Leser prüft Möglichkeiten und Anbieter. Passender Schritt: Referenzen, Ablaufbeschreibung, Preisrahmen.
  • Entscheidung: Der Leser will handeln. Passender Schritt: Rückruf, Termin, Anfrageformular.

So vermeiden Sie zwei häufige Fehler: zu früh zu drängen und zu spät gar nichts anzubieten.

Wie viel Zeit das realistisch kostet

Ein Rechenbeispiel, bewusst mit runden, fiktiven Werten: Ein Elektrobetrieb mit zwölf Mitarbeitenden entscheidet sich für einen Kernbeitrag alle zwei Wochen. Der Inhaber spricht das Thema in 20 Minuten in ein Diktiergerät oder beantwortet Fragen einer Mitarbeiterin im Büro. Diese macht daraus mit Unterstützung eines KI-Werkzeugs einen Entwurf, was etwa 60 Minuten dauert. Der Inhaber liest den Entwurf in 15 Minuten gegen und korrigiert fachliche Punkte. Die Ableger für LinkedIn und das Google-Profil kosten weitere 30 Minuten.

Das sind rund zwei Stunden alle zwei Wochen, davon etwa 35 Minuten beim Inhaber. Das ist machbar, auch in vollen Phasen. Wichtig ist, dass der Inhaber seine Rolle kennt: Er liefert Fachwissen und Urteil, nicht die Formatierung.

Was Sie nach drei Monaten prüfen

Nach etwa zwölf Wochen lohnt sich ein ehrlicher Blick zurück. Erwarten Sie in dieser Zeit keine Flut an Anfragen. Inhalte wirken langsam, besonders in der Suche. Achten Sie eher auf frühe Zeichen:

  • Haben Sie den Rhythmus gehalten? Wenn nicht, war er zu ehrgeizig. Reduzieren Sie ihn, statt aufzugeben.
  • Sprechen Kunden im Erstgespräch einen Ihrer Beiträge an?
  • Werden einzelne Artikel in der Google Search Console für passende Suchanfragen angezeigt?
  • Nutzt Ihr Team die Texte schon, um Fragen zu beantworten?
  • Welche Themen haben Rückmeldungen ausgelöst, welche gar keine?

Aus diesen Antworten ergibt sich das nächste Quartal. Themen, die Resonanz erzeugen, bekommen Fortsetzungen. Formate, die niemand liest, fallen weg.

Ein Anfang für diese Woche

Wenn Sie heute starten wollen, reichen drei Schritte. Schreiben Sie in zwei Sätzen auf, für wen Ihre Inhalte gedacht sind. Legen Sie die gemeinsame Fragenliste für Ihr Team an. Blocken Sie den ersten festen Termin im Kalender. Für die Planung der ersten Wochen können Sie die Content-Kalender-Vorlage nutzen.

Wenn Sie solche Bausteine nicht allein aufbauen möchten, arbeiten wir sie im Gruppenprogramm STARK OS gemeinsam mit anderen Inhabern Woche für Woche durch. Und wer lieber erst mitliest: Im Inhaber-Brief teilen wir jeden Dienstag ein Werkzeug aus unserer Arbeit.

Joshua Stark

Geschrieben von

Joshua Stark

Gründer von stark.marketing und STARK Consulting, Heidelberg

Joshua begleitet seit 2016 Betriebe bei Marketing, Vertrieb und Abläufen. Über 150 Projekte, vom Handwerksbetrieb bis zum B2B-Unternehmen. Hier schreibt er auf, was davon in anderen Betrieben funktioniert.

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