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Zeitmanagement für Unternehmer: den Freitag zurückholen

Die meisten Inhaber haben kein Zeitproblem, sondern ein Strukturproblem. Wie Sie in drei Monaten Schritt für Schritt einen Tag pro Woche freiräumen, ohne dass der Betrieb darunter leidet.

Joshua Stark 23. April 20267 Min. Lesezeit

Gutes Zeitmanagement für Unternehmer beginnt nicht mit einer neuen App, sondern mit drei Fragen: Wofür geht meine Zeit tatsächlich drauf? Was davon kann jemand anderes tun? Und wie schütze ich die Zeit, die übrig bleibt? Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, kann sich innerhalb einiger Monate einen Tag pro Woche zurückholen, zum Beispiel den Freitag. Das gelingt nicht durch mehr Disziplin, sondern durch bessere Abläufe und klare Grenzen.

Warum klassische Zeitmanagement-Tipps bei Inhabern oft nicht greifen

Die meisten Ratgeber zum Zeitmanagement richten sich an Angestellte. Sie empfehlen To-do-Listen, Prioritäten nach dem Eisenhower-Prinzip und konzentrierte Arbeitsphasen. Das ist nicht falsch, trifft aber das Kernproblem von Inhabern kaum.

Ein Inhaber ist im eigenen Betrieb die Anlaufstelle für fast alles. Mitarbeitende fragen, Kunden rufen an, Lieferanten brauchen eine Entscheidung, der Steuerberater will Unterlagen. Die Zeit wird nicht schlecht geplant, sie wird von außen aufgefressen. Jede noch so gute To-do-Liste scheitert, wenn alle zwanzig Minuten jemand in der Tür steht.

Deshalb setzt wirksames Zeitmanagement für Unternehmer an einer anderen Stelle an: am Betrieb selbst. Solange der Betrieb so gebaut ist, dass jede Frage bei Ihnen landet, bleibt Ihr Kalender voll. Die gute Nachricht: Das lässt sich ändern, Schritt für Schritt.

Schritt 1: Ehrlich messen, wohin die Zeit geht

Die meisten Inhaber unterschätzen, wie viel Zeit sie mit Kleinkram verbringen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil kleine Aufgaben im Gedächtnis kaum Spuren hinterlassen. Fünf Minuten für eine Rückfrage, zehn Minuten für eine Mail, drei Minuten für eine Unterschrift. Am Abend ist der Tag vorbei, und die große Aufgabe ist liegen geblieben.

Deshalb ist der erste Schritt eine Messung. Schreiben Sie zwei Wochen lang in 30-Minuten-Blöcken auf, was Sie tun. Das ist lästig, aber es lohnt sich. Am Ende ordnen Sie jeden Block einer Kategorie zu:

  • Kundenarbeit: Tätigkeit, die direkt Umsatz erzeugt, etwa Beratung, Behandlung, Montage, Mandatsarbeit.
  • Führung: Gespräche mit dem Team, Entscheidungen, Einarbeitung.
  • Verwaltung: Rechnungen, Mails, Ablage, Behördenkram.
  • Unterbrechungen: Alles, was ungeplant kam und nicht in eine der anderen Kategorien passt.
  • Aufbau: Arbeit am Betrieb statt im Betrieb, also Planung, neue Angebote, bessere Abläufe.

Das Zeit-Audit für Inhaber enthält eine fertige Vorlage dafür. In den Auswertungen, die wir kennen, ist die Kategorie „Aufbau“ fast immer die kleinste. Das ist kein Zufall: Aufbauarbeit ist nie dringend, und deshalb wird sie immer verschoben.

Schritt 2: Die Zeitfresser benennen

Mit den Daten aus der Messung lassen sich die größten Zeitfresser meist schnell erkennen. In Betrieben mit fünf bis zwanzig Mitarbeitenden tauchen einige Muster immer wieder auf:

ZeitfresserTypisches BeispielMögliche Lösung
Rückfragen aus dem Team„Chef, wie machen wir das bei Kunde X?“Schriftliche Abläufe, festes Wochenmeeting
TelefonAnrufe zu Terminen, Preisen, StatusTelefonzeiten, Büroservice, Online-Terminbuchung
AngeboteJedes Angebot wird vom Inhaber selbst geschriebenVorlagen, Preislisten, Freigabe statt Erstellung
E-MailsPostfach wird den ganzen Tag über geöffnetZwei feste Zeitfenster pro Tag
FreigabenJede Bestellung über 200 € braucht die UnterschriftFreigabegrenzen anheben

Nehmen Sie sich die drei größten Posten vor. Nicht alle auf einmal, sondern einen pro Monat.

Schritt 3: Abgeben, bevor Sie optimieren

Der schnellste Weg zu mehr Zeit ist nicht, Aufgaben schneller zu erledigen, sondern sie gar nicht mehr selbst zu erledigen. Dafür gibt es drei Wege: streichen, automatisieren, delegieren.

Streichen. Überraschend viele Aufgaben existieren nur aus Gewohnheit. Ein Bericht, den seit Jahren niemand liest. Ein Rundruf, der auch als Nachricht ginge. Eine wöchentliche Auswertung, die monatlich reichen würde. Streichen Sie konsequent.

Automatisieren. Terminerinnerungen, Eingangsbestätigungen für Anfragen, wiederkehrende Rechnungen und Standard-Mails lassen sich mit einfacher Software erledigen. Das muss kein großes Projekt sein. Oft reichen Funktionen, die in vorhandenen Programmen bereits stecken und nur nicht eingerichtet sind.

Delegieren. Was übrig bleibt und nicht zwingend Ihr Urteil braucht, gehört in andere Hände. Wie Sie dabei rechnen und was die Einarbeitung kostet, beschreiben wir ausführlich in Delegieren lernen.

Erst danach lohnt es sich, die verbleibenden Aufgaben effizienter zu erledigen.

Schritt 4: Den Kalender nach Energie statt nach Anfragen bauen

Wenn die größten Zeitfresser reduziert sind, wird Platz im Kalender frei. Jetzt geht es darum, diesen Platz zu schützen. Ein bewährtes Mittel ist ein fester Wochenrahmen mit Blöcken für bestimmte Arten von Arbeit.

Ein Beispiel, wie so ein Rahmen für den Inhaber eines Sanitärbetriebs aussehen könnte:

  • Montag: Vormittag Wochenmeeting und Teamthemen, Nachmittag Baustellen und Kundentermine.
  • Dienstag bis Donnerstag: Vormittags drei Stunden Kalkulation, Angebote und Aufbauarbeit ohne Telefon, nachmittags Kundentermine und Baustellen.
  • Freitag: zunächst ein halber Tag frei, später der ganze Tag.

Wichtig ist, dass die Blöcke für konzentrierte Arbeit wie Kundentermine behandelt werden. Sie werden nicht verschoben, nur weil jemand anruft. Das Telefon läuft in dieser Zeit über das Büro oder eine Mailbox. Der 4-Stunden-Chefkalender zeigt, wie sich solche Blöcke auch in einem vollen Betrieb unterbringen lassen.

Achten Sie beim Planen auf Ihre eigene Leistungskurve. Die meisten Menschen können am Vormittag besser denken als am Nachmittag. Legen Sie Kalkulation, Planung und schwierige Gespräche deshalb nach Möglichkeit nicht in die letzten Stunden des Tages.

Schritt 5: Den Freitag schrittweise zurückholen

Einen ganzen Tag pro Woche freizuräumen klingt für viele Inhaber unrealistisch. Deshalb empfehlen wir einen stufenweisen Weg:

  1. Monat 1: Freitagnachmittag ab 13 Uhr frei. Keine Kundentermine, keine Mails. Das Team weiß Bescheid und hat für Notfälle eine klare Regel, wann Sie erreichbar sind.
  2. Monat 2: Freitag ab 11 Uhr frei. Die Vormittagsstunden nutzen Sie für einen kurzen Wochenrückblick und die Planung der nächsten Woche.
  3. Monat 3: Der ganze Freitag ist frei oder wird ausschließlich für Aufbauarbeit genutzt, ohne Tagesgeschäft.

Jede Stufe zeigt Ihnen, was noch an Ihnen hängt. Wenn am Freitagnachmittag dreimal das Handy klingelt, wissen Sie, welche Abläufe noch nicht sauber übergeben sind. Diese Anrufe sind keine Störung, sondern wertvolle Hinweise. Schreiben Sie sie auf und lösen Sie sie in der folgenden Woche.

Ob Sie den gewonnenen Tag für Erholung, Familie oder Arbeit am Betrieb nutzen, ist Ihre Entscheidung. Beides ist legitim. Wichtig ist nur, dass es eine bewusste Entscheidung ist.

Was dabei schiefgehen kann

Ehrlich gesagt: Nicht jeder Versuch klappt beim ersten Mal. Einige Stolpersteine sehen wir häufig:

  • Zu schnell zu viel. Wer von heute auf morgen nicht mehr erreichbar ist, verunsichert das Team. Die schrittweise Einführung schützt davor.
  • Ausnahmen werden zur Regel. Ein wichtiger Kunde will ausgerechnet Freitag einen Termin. Einmal ist das in Ordnung. Wenn es jede Woche passiert, ist der freie Tag nur ein Wunsch.
  • Das Team wird nicht eingebunden. Wenn Ihre Mitarbeitenden nicht wissen, was sie in Ihrer Abwesenheit selbst entscheiden dürfen, rufen sie an. Klären Sie Entscheidungsbefugnisse vorher.
  • Die Zeit wird sofort wieder gefüllt. Freie Zeit hat eine erstaunliche Anziehungskraft auf neue Aufgaben. Planen Sie bewusst, wofür Sie sie nutzen, und tragen Sie das in den Kalender ein.

Werkzeuge, die wirklich helfen

Sie brauchen dafür keine teure Software. Ein paar einfache Hilfsmittel reichen:

  • Ein digitaler Kalender, den Ihr Team einsehen kann, zum Beispiel in Outlook oder Google Kalender. So wissen alle, wann Sie für Kundentermine gebucht und wann Sie für Rückfragen verfügbar sind.
  • Eine gemeinsame Aufgabenliste für das Team, etwa in einem Projekttool oder einer schlichten geteilten Tabelle.
  • Online-Terminbuchung für Kundentermine, wo das zu Ihrem Geschäft passt, zum Beispiel in Praxen oder bei Beratungsleistungen.
  • Eine feste Wochenplanung, am besten am Freitagvormittag oder Montagmorgen, 30 Minuten, immer zur selben Zeit.

Die Werkzeuge sind zweitrangig. Wichtiger ist, dass Sie eine Methode konsequent über Wochen durchziehen, statt ständig neue auszuprobieren.

Ein realistischer Blick nach vorn

Wir können Ihnen nicht versprechen, dass Sie in drei Monaten nur noch vier Tage arbeiten. Das hängt von Ihrem Betrieb, Ihrem Team und Ihrer Branche ab. Eine Zahnarztpraxis mit festen Sprechzeiten hat andere Spielräume als ein Handwerksbetrieb mit Notdienst.

Was wir aus der Arbeit mit vielen Betrieben in der Region Rhein-Neckar und darüber hinaus sagen können: Fast jeder Inhaber hat mehr Spielraum, als er glaubt. Er ist nur unter vielen kleinen Aufgaben verschüttet. Wenn Sie wissen wollen, welcher Engpass bei Ihnen am meisten Zeit kostet, ist der kostenlose Engpass-Check ein guter Anfang. Und wenn Sie die Umstellung nicht allein machen wollen, sprechen wir gern mit Ihnen darüber, wie das bei Ihnen aussehen könnte: Strategiegespräch buchen.

Joshua Stark

Geschrieben von

Joshua Stark

Gründer von stark.marketing und STARK Consulting, Heidelberg

Joshua begleitet seit 2016 Betriebe bei Marketing, Vertrieb und Abläufen. Über 150 Projekte, vom Handwerksbetrieb bis zum B2B-Unternehmen. Hier schreibt er auf, was davon in anderen Betrieben funktioniert.

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