Zum Inhalt springen

7 Gründe, warum Interessenten nicht kaufen, und was hilft

Wenn gute Gespräche nicht zu Aufträgen werden, liegt es selten nur am Preis. Sieben typische Gründe und was Sie jeweils dagegen tun können.

Joshua Stark 02. September 20267 Min. Lesezeit

Interessenten kaufen meist nicht, weil zwischen Anfrage und Entscheidung etwas ungeklärt bleibt: Das eigentliche Anliegen wurde nicht verstanden, das Angebot ist schwer nachvollziehbar, die Reaktion kam zu spät, oder nach dem Angebot hat niemand nachgefasst. Der Preis wird als Grund oft genannt, ist aber häufig nur der Punkt, an dem sich andere offene Fragen bündeln. Die gute Nachricht ist, dass die meisten dieser Gründe in Ihrem Einflussbereich liegen.

Grund 1: Die Reaktion kam zu spät

Ein Interessent, der eine Anfrage stellt, hat in diesem Moment einen Bedarf und meist auch Zeit, sich damit zu beschäftigen. Wenn die Antwort erst nach vier Tagen kommt, hat er oft schon mit zwei anderen Betrieben telefoniert. Das gilt für den Handwerker mit Wasserschaden ebenso wie für den Geschäftsführer, der einen IT-Dienstleister sucht.

In unseren Projekten sehen wir häufig, dass Anfragen liegen bleiben, weil nicht klar ist, wer zuständig ist. Der Inhaber denkt, das Büro kümmert sich, das Büro wartet auf eine Einschätzung des Inhabers.

Was hilft:

  • Legen Sie fest, wer Anfragen annimmt und bis wann die erste Antwort erfolgt, etwa innerhalb eines Werktags.
  • Die erste Antwort muss nicht die Lösung sein. Ein kurzer Anruf mit „Wir haben Ihre Anfrage, ich melde mich bis Donnerstag mit einem Terminvorschlag“ reicht.
  • Schicken Sie nach einer Formularanfrage automatisch eine Bestätigung mit Ansprechpartner und nächstem Schritt.

Grund 2: Das eigentliche Anliegen wurde nicht verstanden

Viele Erstgespräche laufen so ab: Der Kunde schildert kurz, was er möchte, und der Fachmann erklärt sofort, wie er es umsetzen würde. Das wirkt kompetent, übersieht aber oft das eigentliche Anliegen. Wer eine neue Heizung anfragt, möchte vielleicht vor allem Planungssicherheit bei den Energiekosten. Wer einen Steuerberater wechselt, sucht vielleicht jemanden, der sich meldet, bevor Fristen ablaufen.

Wenn Ihr Angebot die Frage beantwortet, die der Kunde gestellt hat, aber nicht die, die ihn beschäftigt, wirkt es austauschbar. Dann vergleicht er nur noch Preise.

Was hilft:

  • Stellen Sie im Erstgespräch mehr Fragen, bevor Sie Lösungen vorschlagen. Was ist der Anlass? Was soll danach anders sein? Was wurde schon versucht?
  • Fassen Sie am Ende des Gesprächs zusammen, was Sie verstanden haben, und lassen Sie es bestätigen.
  • Greifen Sie diese Zusammenfassung im Angebot wieder auf.

Eine feste Struktur für dieses Gespräch bietet der Leitfaden fürs Erstgespräch.

Grund 3: Das Angebot ist schwer nachvollziehbar

Ein Angebot, das aus 40 Positionen mit Fachbegriffen und einer Summe am Ende besteht, ist für viele Kunden schwer zu lesen. Sie verstehen nicht, was genau sie bekommen, und können es nicht mit anderen Angeboten vergleichen. Also schauen sie auf das Einzige, das sie verstehen: die Summe.

Was hilft:

  • Stellen Sie dem Leistungsverzeichnis eine kurze Zusammenfassung voran: Ausgangslage, was Sie vorschlagen, was der Kunde davon hat.
  • Erklären Sie, was im Preis enthalten ist, das andere vielleicht nicht anbieten, etwa Koordination der Gewerke, Entsorgung oder eine Gewährleistung über das Gesetzliche hinaus.
  • Bieten Sie an, das Angebot in einem kurzen Termin gemeinsam durchzugehen. Viele Unklarheiten lassen sich in zehn Minuten am Telefon ausräumen.

Ein Beispiel: Ein IT-Dienstleister schickt einer Arztpraxis ein Angebot über die Betreuung ihrer Technik. Statt mit der Liste der Positionen beginnt es mit drei Sätzen: Die Praxis hatte zuletzt mehrere Ausfälle an Behandlungstagen, sie will einen festen Ansprechpartner und Sicherheit beim Datenschutz. Danach folgt, wie das Angebot genau diese drei Punkte löst. Erst dann kommen Positionen und Preis. Die Praxis kann das Angebot so auch ihrem Steuerberater oder der Mitinhaberin vorlegen, ohne es erklären zu müssen.

Grund 4: Das Risiko wirkt zu groß

Für viele Kunden ist ein Auftrag an einen Betrieb eine große Entscheidung. Eine Badsanierung, ein Wechsel der Kanzlei oder ein neues IT-System kosten nicht nur Geld, sondern bergen auch das Risiko, dass etwas schiefgeht. Wenn dieses Risiko größer erscheint als der Nutzen, schiebt der Kunde die Entscheidung auf.

Was hilft:

  • Zeigen Sie vergleichbare Projekte, möglichst mit Bewertungen oder Ansprechpartnern, die bereit sind, Auskunft zu geben.
  • Beschreiben Sie Ihren Ablauf genau, inklusive der Frage, was passiert, wenn etwas nicht nach Plan läuft.
  • Nennen Sie feste Ansprechpartner mit Namen.
  • Überlegen Sie, ob ein kleinerer erster Schritt möglich ist, etwa eine bezahlte Analyse, ein Probemonat oder ein erster Bauabschnitt.

Grund 5: Nach dem Angebot hat niemand nachgefasst

Dieser Grund ist vermutlich der häufigste und am leichtesten zu beheben. Das Angebot geht raus, und dann passiert nichts. Kommt keine Antwort, geht der Betrieb davon aus, dass kein Interesse besteht. Der Kunde wiederum wartet vielleicht auf eine Antwort auf eine Rückfrage, hat das Angebot vergessen oder braucht einen kleinen Anstoß.

Viele Inhaber scheuen das Nachfassen, weil sie nicht aufdringlich wirken wollen. Ein freundlicher Anruf nach einigen Tagen wird aber selten als aufdringlich empfunden. Häufiger zeigt er, dass Ihnen der Auftrag wichtig ist.

Was hilft:

  • Legen Sie einen festen Ablauf fest: Anruf nach drei bis fünf Werktagen, Erinnerung nach etwa zwei Wochen, abschließende Nachricht danach.
  • Tragen Sie jeden Nachfass-Termin in Ihre Anfragen-Tabelle oder Ihr CRM ein.
  • Nutzen Sie Vorlagen, damit das Nachfassen nicht jedes Mal neu formuliert werden muss. Eine Sammlung dafür finden Sie in der Nachfass-Sequenz.

Grund 6: Der Entscheider war nicht beteiligt

Sie führen ein gutes Gespräch mit einem Interessenten, schicken ein Angebot, und dann heißt es: „Mein Mann möchte noch andere Angebote einholen“ oder „Das muss die Geschäftsführung entscheiden“. Die Person, mit der Sie gesprochen haben, war nicht allein zuständig. Die eigentlichen Entscheider kennen Sie nicht und haben Ihre Argumente nie gehört.

Das passiert im Privatkundengeschäft ebenso wie im B2B-Bereich, wo oft Einkauf, Fachabteilung und Geschäftsführung mitreden.

Was hilft:

  • Fragen Sie im Erstgespräch offen: „Wer entscheidet außer Ihnen noch mit?“
  • Schlagen Sie vor, dass bei einem zweiten Termin alle Beteiligten dabei sind.
  • Gestalten Sie das Angebot so, dass es auch ohne Sie verständlich ist, denn es wird weitergereicht.

Grund 7: Es gibt keinen klaren nächsten Schritt

Manche Angebote enden mit „Bei Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung“. Das ist höflich, lässt den Kunden aber allein mit der Frage, was er jetzt tun soll. Ebenso schwierig sind Angebote mit fünf Varianten, zwischen denen der Kunde ohne Beratung wählen soll.

Was hilft:

  • Schließen Sie jedes Angebot mit einem konkreten nächsten Schritt: „Wenn Sie zustimmen, reservieren wir den Starttermin im März. Unterschreiben Sie dazu einfach Seite 3 und schicken Sie sie per E-Mail zurück.“
  • Bieten Sie höchstens drei Varianten an und sagen Sie, welche Sie empfehlen und warum.
  • Nennen Sie eine realistische Frist, etwa weil Ihre Kapazität begrenzt ist. Bleiben Sie dabei ehrlich, künstlicher Zeitdruck schadet dem Vertrauen.

Wenn Sie hochpreisige Leistungen anbieten, gelten diese Punkte umso mehr. Einige zusätzliche Gedanken dazu finden Sie im Artikel Hochpreisige Leistungen verkaufen, ohne zu drücken.

Welcher Grund bei Ihnen zutrifft

Die sieben Gründe treffen nicht alle gleichzeitig zu. Um herauszufinden, wo es bei Ihnen hakt, helfen zwei Schritte.

Eine kurze Übersicht, die Ihnen beim Einordnen hilft:

AnzeichenWahrscheinlicher Grund
Interessenten sind beim Rückruf schon „versorgt“Grund 1: zu langsame Reaktion
Kunden vergleichen nur noch PreiseGrund 2 oder 3: Anliegen nicht verstanden, Angebot unklar
„Wir überlegen noch“ über WochenGrund 4 oder 5: Risiko zu groß, kein Nachfassen
Plötzlich tauchen neue Beteiligte aufGrund 6: Entscheider nicht beteiligt
Positive Rückmeldung, aber keine UnterschriftGrund 7: kein klarer nächster Schritt

Erstens: Fragen Sie nach. Wenn ein Interessent absagt oder sich nicht mehr meldet, fragen Sie freundlich nach dem Grund. „Darf ich fragen, was den Ausschlag gegeben hat? Das hilft uns, besser zu werden.“ Viele Kunden antworten ehrlich, wenn die Frage ohne Druck kommt.

Zweitens: Halten Sie die Gründe fest. Ergänzen Sie Ihre Anfragen-Tabelle um eine Spalte „Grund bei Absage“. Nach einigen Monaten sehen Sie ein Muster. Wenn fast immer „zu teuer“ steht, prüfen Sie, ob Grund 2 oder 3 dahintersteckt. Wenn viele Angebote einfach im Sand verlaufen, liegt es wahrscheinlich an Grund 5.

Oft reichen zwei, drei Änderungen im Ablauf, um spürbar mehr Angebote abzuschließen, ohne am Preis zu drehen. Garantieren kann das niemand, aber die Richtung ist in den meisten Betrieben klar. Wenn Sie Ihren eigenen Abschlussprozess gemeinsam mit uns durchgehen möchten, können Sie ein Strategiegespräch buchen.

Joshua Stark

Geschrieben von

Joshua Stark

Gründer von stark.marketing und STARK Consulting, Heidelberg

Joshua begleitet seit 2016 Betriebe bei Marketing, Vertrieb und Abläufen. Über 150 Projekte, vom Handwerksbetrieb bis zum B2B-Unternehmen. Hier schreibt er auf, was davon in anderen Betrieben funktioniert.

Über 150 Betriebe haben wir von innen gesehen. Die Muster teilen wir jeden Dienstag.

Der Inhaber-Brief erklärt in fünf Minuten ein System, das in einem echten Betrieb funktioniert hat: vom Angebotsprozess bis zur Wochenplanung.

Kostenlos lesen →

Nächster Schritt

Bauen Sie einen Betrieb, der für Sie arbeitet.

Im Strategiegespräch schauen wir uns Ihren größten Engpass an und sagen Ihnen ehrlich, ob und wie wir helfen können. Verkaufen müssen wir Ihnen danach nichts.

Joshua ist heute erreichbar.Kurzes Strategiegespräch? Termine ab morgen frei.