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Was Sie vor der Gründung wissen sollten

Die meisten Gründungen scheitern nicht an der Idee, sondern an Preisen, fehlenden Kunden und zu knapper Liquidität. Was Sie vor dem Start klären sollten, von der Rechtsform bis zum ersten Auftrag.

Joshua Stark 25. Juni 20267 Min. Lesezeit

Vor der Gründung sollten Sie vor allem vier Dinge klären: Wer genau soll bei Ihnen kaufen, zu welchem Preis, wie erreichen Sie diese Menschen, und wie lange reicht Ihr Geld, bis der Betrieb sich trägt. Formalitäten wie Rechtsform, Gewerbeanmeldung und Steuernummer sind wichtig, aber lösbar. An ihnen scheitern Gründungen selten. Häufiger fehlt es an zahlenden Kunden, an kostendeckenden Preisen oder an ausreichend Rücklagen für die ersten Monate. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Punkte und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Ein Hinweis vorab

Wir sind keine Rechtsanwälte und keine Steuerberater. Die folgenden Informationen sollen Ihnen helfen, die richtigen Fragen zu stellen. Für verbindliche Auskünfte zu Rechtsform, Steuern, Versicherungen und Verträgen wenden Sie sich bitte an eine Steuerberatung, eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt sowie an die Gründungsberatung Ihrer Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer. Viele Kammern bieten Erstgespräche für Gründer kostenlos oder günstig an.

Die wichtigste Frage: Wer kauft, und warum bei Ihnen?

Viele Gründer beginnen bei dem, was sie können. Eine Physiotherapeutin, die sich nach Jahren im Angestelltenverhältnis mit eigener Praxis niederlassen will. Ein Elektriker, der seinen Meister gemacht hat und nun selbstständig arbeiten möchte. Ein IT-Berater, der die Firma verlassen hat und künftig direkt für Mittelständler arbeiten will.

Das fachliche Können ist die Grundlage, aber es reicht nicht. Bevor Sie gründen, sollten Sie beantworten können:

  • Wer genau ist Ihr Kunde? „Privatkunden in Mannheim“ ist zu breit. „Eigentümer von Einfamilienhäusern aus den 1970er-Jahren, die ihre Elektrik modernisieren wollen“ ist ein Anfang.
  • Welches Problem lösen Sie für diesen Kunden? Und wie dringend ist dieses Problem aus Sicht des Kunden?
  • Warum sollte er zu Ihnen kommen und nicht zum etablierten Betrieb nebenan? Wenn die einzige Antwort „weil ich günstiger bin“ lautet, ist das ein Warnsignal.

Wie Sie Ihr Angebot schärfen, beschreiben wir im Artikel Die eigene Nische finden. Für die Vorarbeit eignet sich das Geschäftsmodell-Arbeitsbuch, das Sie durch die zentralen Fragen führt.

Den ersten Kunden vor der Gründung finden

Der beste Test für eine Geschäftsidee ist ein zahlender Kunde. Viele Gründer warten damit, bis alles fertig ist: Logo, Website, Visitenkarten, Büro. Das ist verständlich, aber riskant. Sie investieren Zeit und Geld, bevor Sie wissen, ob überhaupt jemand kauft.

Versuchen Sie deshalb, schon vor der offiziellen Gründung mit möglichen Kunden zu sprechen. Nicht um zu verkaufen, sondern um zu verstehen. Fragen Sie, wie sie das Problem heute lösen, was sie daran stört und was sie für eine bessere Lösung bezahlen würden. Zehn solcher Gespräche liefern oft mehr Erkenntnis als eine lange Marktanalyse.

Wenn Sie aus einer Anstellung heraus gründen, prüfen Sie dabei unbedingt Ihren Arbeitsvertrag. Wettbewerbsverbote und Nebentätigkeitsklauseln können einschränken, was Sie vorab tun dürfen. Im Zweifel lassen Sie das rechtlich prüfen.

Preise, die den Betrieb tragen

Ein häufiger Fehler in der Gründungsphase: zu niedrige Preise. Viele Gründer orientieren sich an ihrem früheren Stundenlohn als Angestellte oder an den günstigsten Anbietern im Markt. Beides ist gefährlich.

Ihr Preis muss mehr abdecken als Ihren Lebensunterhalt. Dazu gehören unter anderem:

  • Kranken- und Pflegeversicherung, die Sie als Selbstständiger in der Regel vollständig selbst tragen
  • Altersvorsorge und, je nach Tätigkeit, gesetzliche Rentenversicherungspflicht, die für bestimmte Selbstständige gilt, etwa für in die Handwerksrolle eingetragene Handwerker
  • Betriebliche Versicherungen wie Betriebshaftpflicht oder Berufshaftpflicht
  • Fahrzeug, Werkzeug, Software, Büro oder Praxisräume
  • Steuerberatung und Buchhaltung
  • Zeit, die nicht abgerechnet werden kann: Angebote, Verwaltung, Akquise, Urlaub, Krankheit

Rechnen Sie ehrlich. Ein Rechenbeispiel mit fiktiven, runden Zahlen: Wenn Sie 1.800 Arbeitsstunden im Jahr zur Verfügung haben, davon aber realistisch nur 1.100 abrechnen können, verteilen sich alle Kosten und Ihr Einkommen auf diese 1.100 Stunden. Der notwendige Stundensatz liegt dann oft deutlich über dem, was Gründer zunächst im Kopf haben.

Die passende Rechtsform

Die Wahl der Rechtsform beeinflusst Haftung, Steuern, Buchführungspflichten und Gründungskosten. Die folgende Übersicht nennt die häufigsten Formen für kleine Betriebe. Welche für Sie passt, sollten Sie mit Ihrer Steuerberatung besprechen.

RechtsformKurz gesagtTypisch für
EinzelunternehmenEinfach zu gründen, Sie haften mit Ihrem PrivatvermögenEinzelgründer im Handwerk, Handel, Dienstleistung
Freiberufliche TätigkeitKeine Gewerbeanmeldung, Anmeldung beim FinanzamtÄrzte, Therapeuten, Anwälte, Steuerberater, bestimmte Berater
GbRZwei oder mehr Personen, gemeinsame Haftung mit PrivatvermögenKleine Partnerschaften, Praxisgemeinschaften
UG (haftungsbeschränkt)Kapitalgesellschaft mit geringem Mindestkapital, Notar nötigGründer, die Haftung begrenzen wollen, aber wenig Startkapital haben
GmbHKapitalgesellschaft, Stammkapital von 25.000 €, Notar nötigBetriebe mit höherem Haftungsrisiko oder mehreren Gesellschaftern

Wichtig: Auch bei UG und GmbH haften Geschäftsführer in bestimmten Fällen persönlich, und Banken verlangen für Kredite häufig private Bürgschaften. Die Haftungsbeschränkung ist also kein vollständiger Schutz.

Anmeldungen und Formalitäten

Die Formalitäten wirken auf viele Gründer abschreckend, sind aber gut zu bewältigen. Die wichtigsten Schritte in Deutschland:

  1. Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt Ihrer Stadt oder Gemeinde, sofern Sie ein Gewerbe betreiben. Freiberufler melden sich stattdessen direkt beim Finanzamt.
  2. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über das ELSTER-Portal des Finanzamts. Darin schätzen Sie Ihren Umsatz und Gewinn und entscheiden unter anderem, ob Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen wollen. Lassen Sie sich hier beraten, denn die Angaben haben Folgen für Ihre Steuervorauszahlungen.
  3. Kammer-Mitgliedschaft. Mit der Gewerbeanmeldung werden Sie automatisch Mitglied der IHK oder, bei Handwerksbetrieben, der Handwerkskammer.
  4. Handwerksrolle. Für zulassungspflichtige Handwerke ist in der Regel ein Meistertitel oder eine vergleichbare Qualifikation nötig, und Sie müssen in die Handwerksrolle eingetragen werden, bevor Sie loslegen.
  5. Genehmigungen und Zulassungen, je nach Branche. Praxen brauchen zum Beispiel eine Kassenzulassung, wenn sie mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen wollen, Gastronomiebetriebe je nach Bundesland eine Gaststättenerlaubnis.
  6. Berufsgenossenschaft, sobald Sie Mitarbeitende beschäftigen, in manchen Branchen auch für Sie selbst.

Ihre Kammer kann Ihnen sagen, welche Schritte für Ihre Branche konkret gelten.

Finanzierung und Liquiditätspolster

Die meisten Betriebe brauchen länger als geplant, bis sie profitabel sind. Aufträge kommen später, Kunden zahlen später, Anschaffungen kosten mehr. Planen Sie deshalb ein Polster ein, das Ihre privaten und betrieblichen Kosten für mehrere Monate ohne nennenswerten Umsatz abdeckt.

Mögliche Finanzierungsquellen:

  • Eigenkapital, also Ihre Ersparnisse. Je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto leichter bekommen Sie zusätzlich einen Kredit.
  • Bankkredit über die Hausbank. Viele Förderkredite, zum Beispiel der KfW, werden über die Hausbank beantragt. Die KfW bietet spezielle Programme für Gründer an. Informieren Sie sich direkt auf der Website der KfW über die aktuellen Bedingungen.
  • Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Wer Arbeitslosengeld bezieht und sich selbstständig macht, kann unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschuss erhalten. Es handelt sich um eine Ermessensleistung, ein Anspruch besteht nicht.
  • Förderprogramme der Länder, etwa über die jeweilige Landesförderbank. In Baden-Württemberg ist das die L-Bank.

Für fast alle Finanzierungen brauchen Sie einen Businessplan. Wie Sie ihn so schreiben, dass er Ihnen selbst etwas nützt und nicht nur der Bank, beschreiben wir in Ein Businessplan, der mehr ist als ein Bankdokument.

Worauf Sie am Anfang verzichten können

Gründer geben oft Geld für Dinge aus, die sich später als unnötig herausstellen. Zurückhaltung lohnt sich besonders bei:

  • Teuren Büroräumen, solange Sie nicht zwingend Kundenverkehr haben.
  • Aufwendigen Websites. Für den Anfang reicht eine schlichte Seite mit klarem Angebot, Kontaktmöglichkeit, Impressum und Datenschutzerklärung. Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil bringt vielen lokalen Betrieben am Anfang mehr als eine teure Website.
  • Umfangreicher Software. Beginnen Sie mit einfachen Werkzeugen und erweitern Sie, wenn Sie merken, dass etwas fehlt.
  • Werbung ohne klares Angebot. Anzeigen verstärken, was da ist. Wenn das Angebot unklar ist, verstärken sie die Unklarheit.

Ihre persönliche Situation

Eine Gründung verändert nicht nur Ihren Beruf, sondern auch Ihr Privatleben. Sprechen Sie mit Ihrer Familie offen darüber, was die ersten Jahre bedeuten können: unregelmäßiges Einkommen, lange Arbeitstage, weniger Urlaub. Klären Sie, wie viel finanzielles Risiko Sie gemeinsam tragen wollen und können.

Und denken Sie früh daran, den Betrieb so aufzubauen, dass er nicht dauerhaft vollständig an Ihnen hängt. Das klingt in der Gründungsphase weit weg, aber die Gewohnheiten der ersten Jahre prägen den Betrieb lange. Wer von Anfang an Abläufe aufschreibt und Preise sauber kalkuliert, hat es später deutlich leichter. Regelmäßige Impulse dazu finden Sie jeden Dienstag im Inhaber-Brief.

Joshua Stark

Geschrieben von

Joshua Stark

Gründer von stark.marketing und STARK Consulting, Heidelberg

Joshua begleitet seit 2016 Betriebe bei Marketing, Vertrieb und Abläufen. Über 150 Projekte, vom Handwerksbetrieb bis zum B2B-Unternehmen. Hier schreibt er auf, was davon in anderen Betrieben funktioniert.

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